sunnuntai 11. elokuuta 2013

Kalter Krieg? Wirklich??


Endlich gibt es mal wieder gute Nachrichten über Russland: Vergangene Woche hat Edward Snowden dort Asyl gefunden. Von den USA wurde das natürlich nicht gern gesehen, die konkrete Reaktion Obamas finde ich aber einfach lächerlich. Die Behauptung, Russland verfalle damit in die Denkweise des Kalten Krieges, ist absurd; Amnesty International, eine Organisation, deren größtes Anliegen die Durchsetzung der Menschenrechte ist, veröffentlichte vor mehreren Wochen eine offizielle Stellungnahme, laut der Snowden im Sinne der allgemeinen Menschenrechte Recht darauf hat, Asyl zu beantragen, und laut der es weiters nicht Rechtens ist, Snowden an die USA auszuliefern, da er dort hohem Risiko ausgesetzt ist, Opfer von Misshandlungen zu werden. Schon klar, dass Obama sich negativ gegen Russland aussprechen musste, da er ja auch in den letzten Jahren keine wirkliche Motivation gezeigt hat, die politische Linie der USA zu ändern, das Argument „Kalter Krieg“ hat ihn – in meinen Augen – aber lächerlich gemacht. Letzten Endes befürchte ich, dass Stellungnahmen von den verschiedenen Seiten völlig ohne Bedeutung sind; in einem Jahr wird sich niemand mehr darum kümmern und die NSA wird ungestört weitermachen, wie bisher. Die Zeit scheint leider noch nicht reif zu sein, den USA zu zeigen, dass ihnen eben nicht die ganze Welt zu Füßen liegt. Und falls die NSA mitliest, dürft ihr eurem Präsidenten schöne Grüße von mir ausrichten.

Den Artikel von Amnesty International findet ihr hier

tiistai 29. tammikuuta 2013

Eine Woche noch!

Dann gehts ab ins nächste große Abenteuer. Mein Visum ist heute endlich fertiggeworden und die Flüge und Hostels für Februar sind gebucht. Am 5.2., also exakt in einer Woche, verlasse ich Finnland von Helsinki über Stockholm nach Peking, wo wir mal eine Woche bleiben. Am 13. fliegen wir weiter nach Chengdu, danach steht Xi'an auf dem Programm am 19. Am 25. Februar werden wir dann schließlich in Nanchang am Campus ankommen. Da ich dort wahrscheinlich nicht auf Facebook (angenehme Abwechslung!) oder diesen Blog zugreifen kann, habe ich einen zensurfreundlichen Austauschblog erstellt, der findet sich hier: http://aventiuren.blog.com/. Dieser Blog wird sprachlich recht gemischt sein, da sowohl Leute mitlesen, die kein Deutsch, kein Finnisch oder kein Englisch verstehen, ich habe mich aber noch nicht entschieden, wie ich das lösen werde. Man wird von mir jedenfalls hören.

torstai 17. tammikuuta 2013

Volksbefragung in Österreich!


Am Sonntag muss die Entscheidung also für jeden gefallen sein: Soll Österreich die Wehrpflicht behalten, oder soll stattdessen ein freiwilliges soziales Jahr eingeführt werden? Das Thema wurde sicher schon zur Genüge durchgekaut, ich möchte aber auch noch meine Gedanken dazu loswerden.

Die Wehrpflicht, wie sie zurzeit funktioniert, hat mich selbst, als ich 18 wurde, vor ein paar große Probleme gestellt, die hoffentlich in Zukunft in Betracht gezogen werden, egal wie die Volksbefragung ausgeht. Zum ersten ist die Platz- und Geldknappheit beim Zivildienst zu nennen: Es war ein langmächtiges Zittern meinerseits, bis ich endlich die Zusage auf eine Stelle, die ich auch früh genug antreten konnte, bekommen hatte. Rechnen wir mal nach. Ich beendete meine Schulkarriere mit der Matura, deren mündliche Prüfungen Anfang Juni angesetzt waren. Das war einer der früheren Termine, bis Ende Juni können aber alle Maturanten in die Ferien gehen. Nun hieß es damals vorübergehend, es würden keine Zivildiener für dieses Jahr mehr genommen, ich hätte also bis Jänner warten müssen. Ferien sind schon eine schöne Sache, aber doch wirklich nicht für ein halbes Jahr! Außerdem hatte ich (zugegeben, damit bin ich kein Normalfall, ich finde aber nicht, dass man mir deswegen Steine in den Weg legen hätte brauchen) Eile, da das Studienjahr in Finnland nicht erst im Oktober, sondern schon im September beginnt. Wer bis neun zählen kann, wird merken, dass ich den Beginn des Schuljahres um ein Monat verpasst hätte. So hätten also nach meinem Zivildienst erneute Ferien gefolgt, und zwar diesmal für elf Monate. Notwendig? Ich meine nicht!
Dieser fatale Beschluss wurde dann glücklicherweise wieder zurückgenommen, und, obwohl die sich Zivildienstserviceagentur ja nicht gerade für freundliche Betreuung und Arbeitsgeschwindigkeit berühmt gemacht hat, schafften sie es dennoch, mich für Oktober zuzuteilen.

Die Zivildienstserviceagentur ist übrigens ein weiteres Hindernis, das das bisherige System erfolgreich bremst. Ich war ja selbst nicht faul und hatte im Laufe des Sommers Vorstellungsgespräche bei mehreren Organisationen, wovon mich einige auch gerne als Zivildiener genommen hätten. Das letzte Wort hat allerdings die Zivildienstserviceagentur, die alle Anforderungen seitens der Organisationen ignorierte und mich dem Rettungsdienst zuteilte, was ich selbst am wenigsten wollte. Sinnvoll? Ich meine nicht!

Ein großes Problem steht für mich in der Gleichberechtigung. Die heutige Gesellschaft heuchelt Gleichberechtigung, mit welcher Begründung aber wird von „Erhöhen des Anteils an Frauen in Führungspositionen“ gesprochen, während niemanden kümmert, dass Frauen unbehelligt gleich nach der Schulausbildung zu studieren oder arbeiten beginnen dürfen? Oder, um es in den Worten meiner Schwester auszudrücken, warum muss sie sich für ein freiwilliges soziales Jahr extra bewerben, während Männer das automatisch machen dürfen? In solchen Fällen (das ist aber nicht der einzige) bleiben mir nur zwei mögliche Schlussfolgerungen: Entweder wollen Frauen in Wirklichkeit gar keine Gleichberechtigung, oder aber Gleichberechtigung gibt es tatsächlich nur für Frauen. Darüber wurde aber bezüglich Wehrpflicht schon diskutiert, da scheint es schon Bemühungen für Fairness zu geben.

Warum dann also nicht Wehrpflicht abschaffen? Österreich würde damit einmal einem modernen internationalen Trend folgen, solange er noch frisch ist (Rauchverbot in Lokalen war in Europa ja schon ein alter Hut, als Österreich mit Ach und Krach nachgekrochen kam). Österreich braucht sein Militär heute auch nicht mehr als beispielsweise Schweden: Die Grenzen müssen dank Schengen nicht mehr überwacht werden, dank Europäischer Union sind wir ohnehin von Freunden umringt, als neutraler Staat braucht (darf!!) Österreich auch selbst keine militärischen Streitereien anfangen, und selbst falls uns wer angreifen sollte, haben wir Anspruch auf Hilfe aus Deutschland, Frankreich, England,… Dafür würde ein Berufsheer doch reichen!

Bei der Abschaffung der Wehrpflicht fallen mir aber ebenfalls ein paar Probleme sofort ins Auge. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Krankentransporte beinahe ausschließlich von Zivildienern erledigt werden. Freiwillige haben in der Regel einen eigenen Job, der sie tagsüber, wenn die meisten Transporte zu erledigen sind, beschäftigt, und Hauptberufliche gibt es viel zu wenige. Ein Ausfall des Zivildienstes würde ein kaum zu stopfendes Loch in die Effektivität des Rettungsdienstes reißen. Ich kann nur raten, dass es womöglich in anderen sozialen Bereichen ähnlich aussieht, das weiß ich allerdings nicht. Ob das erneuerte freiwillige soziale Jahr wirklich reichen wird, alle Stellen zu versorgen? Dazu müsste man es schon sehr verlockend gestalten und kräftig dafür werben. Der erhöhte Lohn scheint vielleicht für viele interessanter als der des Zivildienstes, aber woher soll das Geld dann wieder kommen? Die Frage nach dem Geld ist wohl fast unmöglich zu beantworten (daraus zu schließen, wie kolossal verschiedenste Zeitungen regelmäßig darin scheitern – Leserzahlen scheinen die Versuche wenigstens zu bringen, und man gibt Pensionisten eine Beschäftigung). Möglich, dass Einsparungen beim Militär durch Wegfall der Wehrpflicht eine solche Finanzierung erlauben, zu mehr Spekulationen lasse ich mich jetzt aber nicht hinreißen – ich liege ja nicht auf U-Bahnbänken rum.

Darüber hinaus kann man kaum bestreiten, dass das Militär bisher bei Naturkatastrophen jeder Art Massen an Hilfskräften, die nicht fragen, nicht denken, sondern nur tun wie man ihnen befiehlt und sich für nichts zu schade sind, zur Verfügung stellen konnte, wie das sonst kaum möglich wäre. Alternativ kann man dann Leute wohl nur noch warnen, sich nicht auf Hochwassergebieten anzusiedeln.

Die verschiedenen Seiten wollen jedenfalls gut überlegt sein, bevor man am Sonntag seine Stimme abgibt. Ich selbst muss schmählich zugeben, neben Weihnachten, Silvester, Besuche bei allen (ist mir eh nicht gelungen) Freunden und Verwandten fürs nächste halbe Jahr, Vorbereitungen für mein Auslandssemester in China, Visumsangelegenheiten… die Frist auf eine Briefwahl verschwitzt zu haben.

Am Ende bleibt nur die Hoffnung, dass sich unsere Regierung diesmal zu Herzen nimmt, was das Volk wünscht: Wir erinnern uns, eine Volksbefragung ist nicht verbindlich.

keskiviikko 5. joulukuuta 2012

Sápmi – Das traditionelle Gebiet der Saamen


Vergangene Woche hatte ich das unglaubliche Glück, als Reiseleiter an der Exkursion des Kurses über saamische Kultur, der jeden Herbst für Austauschstudenten an unserer Uni organisiert wird, teilzunehmen. Das bedeutete also, ich durfte all die interessanten Orte, die für mich als Saamischstudent und an Sprache und Kultur Interessierter ohnehin irgendwann Pflichtprogramm gewesen wären, besuchen, und verdiente dabei auch noch etwas. Als ich mich für diese Stelle bewarb, hätte ich es nicht zu hoffen gewagt, auch tatsächlich genommen zu werden, meine Sprachkenntnisse und meine Erfahrungen mit Austauschschülern als Freiwilliger bei AFS haben aber überzeugt. Das Ziel war also Lappland, oder besser gesagt das Gebiet im Norden Finnlands, Schwedens und Norwegens, in dem auch heute noch Saamen leben, saamische Sprachen gesprochen werden und einen offizielle Status haben und die Saamen besondere Minderheitsrechte besitzen. Das saamische Wort dafür ist Sápmi, im Gegensatz zu „Lappi“, welches das finnische Bundesland bezeichnet (Rovaniemi, die Stadt, die auch als Stadt des Weihnachtsmannes bekannt ist, liegt zum Beispiel in „Lappi“, nicht aber in „Sápmi“). Daher werde ich der Genauigkeit wegen „Sápmi“ verwenden.

Am Montag ging es also um 9 Uhr vom Parkplatz der Uni los. So ganz stimmte das nicht, weil gleich mal eine Studentin fehlte. Nachdem wir eine Viertelstunde gewartet hatten und vergeblich versucht hatten, sie zu erreichen, beschlossen wir, bei ihr zuhause vorbeizuschauen, da ein anderer Student, der im gleichen Haus wohnte, noch seinen Pass holen musste. Ja das ist ein Service an der Uni! Dann endlich alle beisammen, machten wir uns auf den Weg nach Kautokeino (saam. Guovdageaidnu), Norwegen.

Kautokeino ist wahrscheinlich die größte Ortschaft in Sápmi, in der Saamisch immer noch die erste Alltagssprache ist. Am Abend bezogen wir nur mehr unsere Zimmer (wir waren dort aufgeteilt auf kleine Häuschen für jeweils zwei bis drei Personen, die beiden größten hatten Küche und Sauna, war also kein Luxus), ein Saunagang ging sich aber vor dem Schlafengehen noch aus. Am nächsten Tag hatten wir schon volles Programm: Am Vormittag besuchten wir Juhls’ Silvergallery, eine wirklich einzigartige Silberschmiede und doch viel mehr als nur das. Das Ehepaar Juhls war in den 50er oder 60er Jahren aus dem Süden nach Kautokeino gezogen um dort die Silberschmiede zu eröffnen, heute wird dort aber noch viel viel mehr als nur Schmuck verkauft. Das Ganze ist gestaltet wie eine Austellung, mit verschiedenen Räumen zu verschiedenen Themen, man kann aber alles, was ausgestellt ist, kaufen. Zudem kann man Sonderanfertigungen an Silberschmuck bestellen und alte Schmuckstücke reparieren lassen.

Der nächste Programmpunkt war die saamische Hochschule. Dort werden Bachelor- und Masterprogramme in saamischer Linguistik, Saamisch auf Lehramt, Rentierzucht und traditionelle Handarbeit angeboten. Die Führung war ziemlich enttäuschend, weil der eigentlich Zuständige krank war, und jemand anderer einspringen musste, ich war aber begeistert von der offenen Feuerstelle in der Kantine; so etwas sollten wir in Oulu auch ansuchen! Mit einigen Studenten trafen wir uns am Abend zum Pizzaessen.

Davor fuhren wir noch zum saamischen Nationaltheater Beaivváš, dessen Truppe allerdings gerade auf Tour war. Die Begeisterung unserer charismatischen Führerin, die uns das Theater und seine Geschichte vorstellte und uns auch das alte Kostümarsenal zeigte, machte das aber trotzdem zu einem der Höhepunkte für mich. Am Ende der Tour bekam ich auch die Gelegenheit, ein paar Worte mit ihr auf Saamisch zu wechseln.

Mittwoch war Reisetag. Unser nächstes Ziel war Karigasniemi (saam. Gáregasnjárga), auf dem Weg blieben wir aber noch in Karasjok (saam. Kárášjohka) stehen, um uns das norwegische Saamiparlament (saam. Sámediggi) und die saamische Radiostation anzuschauen. Dort werden unter anderem die saamischen Nachrichten, die auch in Finnland zu sehen sind, gemacht. Darüber hinaus produziert man dort noch viele weitere Fernseh- und Radioprogramme, Nachrichten auf Südsaamisch, Kinder- und Jugendprogramme und Dokumentationen, die aber nur in Norwegen und manchmal auch in Schweden ausgestrahlt werden. Schade, dass sich der finnische Sender YLE da nicht um mehr Zusammenarbeit kümmert!

Unser Quartier in Karigasniemi war schon ein wenig besser, manche Austauschstudenten wohnten wieder in kleinen Häuschen, manche in Appartements, ich hatte ein Zweibettzimmer mit Fernseher für mich allein. Hat schon Vorteile, Reiseleiter zu sein! Der Lehrer des Kurses, der der andere Reiseleiter war, schlief zuhause bei seinen Eltern, da Karigasniemi sein Heimatdorf ist. Küche hatten wir zum Glück auch wieder zur Verfügung, und diesmal war sogar Frühstück inkludiert.

In Karigasniemi sahen wir uns am Donnerstag ein Rentier Round-up an, wo in der Saison die neugeborenen Rentiere (ja, diese Tiere gibt’s wirklich!) gekennzeichnet werden und welche zum Schlachten ausgewählt werden. Danach machten wir einen kleinen Spaziergang im fast knietiefen Schnee zu der heiligen Quelle Suttesája. Diese Quelle friert nie zu und war wahrscheinlich deshalb eine frühere heilige Stätte der Saamen. Heute noch (beziehungsweise wieder) lassen Leute ihre Kinder in dieser Quelle taufen.

Am Abend kamen wir dann am letzten Zielort unserer Reise, Inari (saam. Anár), an. Dort wohnten wir letztendlich in einem richtigen Hotel, mit allen Bequemlichkeiten (ausgiebiges Frühstück, schöne Zimmer) und Nachteilen (keine Kochmöglichkeit sondern teures Restaurant, kostenpflichtige Sauna). Noch am selben Abend besuchten wir eine Rentierfarm, die typisch für Touristen hergerichtet war. Zuerst durften wir Rentiere, die als Schlittentiere verwendet werden, aus der Hand füttern, danach bekamen wir Tee und Kaffee in traditionellen Tassen aus Holz und uns wurden Joiks gesungen. Joik ist die traditionelle Art des Prosagesangs der Saamen. Zum Schluss übten wir, ein Holzrentier mit Lasso zu fangen. Das Genialste hierbei war wahrscheinlich der Typ, der uns das erklärte: Ein schon etwas älterer Inarisaame, der einfach immer den Nächsten herwinkte, ihm das Lasso in die Hand drückte und die Bewegung vorzeigte, mit der man das Lasso werfen musste, während er alles in irrsinnig schnellem Inarisaamisch erklärte. Ich verstand zwei Wörter, die im Nordsaamischen (welches ich lerne) ähnlich sind, und das war schon viel. Dazu sei angemerkt, die 10 verschiedenen saamischen Sprachen (Nord-, Lule-, Inari-, Skolt-, Süd-, Pite-, Ume-, Ter-, Kildin- und Akkalasaamisch) sind untereinander nur schwierig bis gar nicht verständlich, verdienen also tatsächlich den Status als „Sprachen“ und nicht nur „Dialekte“.

Am Freitag, bevor wir uns auf den Heimweg machten, gingen wir noch ins Siida-Museum in Inari, ein Museum über die Saamen, über saamische Geschichte und Kultur, und ins Sajos-Kulturzentrum, wo das finnische Saamiparlament tagt und auch das saamische Ausbildungszentrum von Inari untergebracht ist. Dort gibt es auch einen Duodji-Shop (saamische Handarbeit), in dem ich mir, worauf ich schon die ganze Woche gewartet hatte, den kleinen Prinz (den von Antoine de Saint-Exupéry) auf Nordsaamisch kaufte: Bás Prinssáš. 

tiistai 20. marraskuuta 2012

Dušši dušše duššat – Unnötig einfach umzukommen


Nach diesem vollen Wochenende will ich jetzt unbedingt etwas von dem ganz besonderen Konzert vergangenen Freitag erzählen. Dieses Konzert hat mir wieder mal in den Sinn gerufen, warum es so toll ist, in Oulu zu wohnen: Auch wenn die Künstler auch schon südlicher aufgetreten sind, hätte ich nie ihre Auftritte in der Form genießen können, wie hier in Oulu.

Das Konzert wurde von Oulu Sámit ry (der Verein für in Oulu wohnende Saamen) als zehnjähriges Jubiläum (mit einem Jahr Verspätung) organisiert. Aufgetreten sind Niillas Holmberg & Roope Mäenpää, SomBy und Áilu Valle. Falls es immer noch unklar ist: Alle von ihnen sind Saamen (ausgenommen vielleicht Roope Mäenpää, seines Namens und des Fehlens der traditionellen Kleidung nach zu schließen) und singen hauptsächlich auf Nordsaamisch. Erfahren habe ich von dem Konzert von einem tschechischen Erasmus-Studenten, der extra nach Oulu gekommen ist, um Saamisch zu lernen; und natürlich kam von meiner Saamischlehrerin noch ein wenig Insiderinformation.

Als wir zwanzig Minuten vor Beginn des Konzertes bei Valve, dem Veranstaltungsort, ankamen, hatte sich dort schon eine kleine Gruppe Saamen (an ihrer bunten Kleidung zu erkennen), unter ihnen auch meine jetzige und ehemalige Saamischlehrerin, angesammelt. Es waren auch recht viele Austauschstudenten dort, offenbar alle vom Kurs „Saami Culture“.

Als es dann losging, hielten sich die Leute noch im hinteren Bereich des Konzertsaales auf, wo ein paar Sitzreihen aufgestellt waren (wir konnten sogar noch Sitzplätze ergattern). Das war auch in Ordnung für den ersten Auftritt, der eher an traditioneller saamischer Musik angelehnt war. Niillas Holmberg & Roope Mäenpää machten also den Anfang. Das waren auch zugleich die zwei, die mich am wenigsten interessiert hatten; umso positiver war der Eindruck, den die beiden hinterließen.

Darauf folgte auch schon für mich der Höhepunkt: die Rockband SomBy. Ich hatte mir schon am Tag davor ein paar Lieder auf Youtube angehört und sie sofort in meine Lieblingsbands ganz oben eingereiht. Jetzt stieg auch die Stimmung, Leute standen auf und vor der Bühne wurde es immer ausgelassener (und da soll noch jemand sagen, Finnen könnten ohne Alkohol nicht feiern). Der Gitarrist kam mir schon in den Youtube-Videos irgendwie bekannt vor, zu dem Zeitpunkt maß ich dem aber keinerlei Bedeutung zu.

Als Letzter betrat der eigentliche Star des Abends die Bühne: der Rapper Áilu Valle, über den wir im Saamischkurs auch schon einen Artikel gelesen hatten (damit war er auch der Einzige, dessen Name mir überhaupt etwas sagte). Ein paar Lieder haben auch mir schon ganz gut gefallen, insgesamt muss ich aber sagen, dass Rapmusik nicht wirklich meins ist.


Alles in allem war das eines der tollsten Konzerte, auf denen ich war, auch wenn nur sehr klein. Gerade diese intime Atmosphäre hat dann auch wieder etwas – und hier muss ich hinzufügen, Saamen kennen sich alle irgendwie untereinander, und wenn man sich mal für diese Sprache und Kultur interessiert, trifft man dann auf solchen Events schon einige bekannte Gesichter. Eine sehr ermutigende Erfahrung war jene, dass ich die kurzen Reden, die zwischendurch gehalten wurden, im Großen und Ganzen auf beiden Sprachen – Finnisch und Saamisch – verstanden habe! Um drei Uhr in der Früh, in Gedanken immer noch beim Konzert, kam mir schließlich die erschreckende Erleuchtung: Ich bin mittlerweile ziemlich sicher, dass der Gitarrist von SomBy in einem Kurs im Herbst hinter mir gesessen ist, und mir gestern in der Uni entgegengekommen ist!

maanantai 29. lokakuuta 2012

Schon wieder Wahlen!


Vielleicht hat man ja davon schon gehört, außerhalb Finnlands: Wir hatten Gemeinderatswahlen vergangenes Wochenende. Hier gibt es die Möglichkeit, im Voraus zu wählen, ich habe aber beschlossen, mir meine Stimme bis zum eigentlichen Wahltag, also Sonntag, aufzuheben. Ja, ich durfte auch wählen, finnische Staatsbürgerschaft ist keine Voraussetzung bei den Gemeinderatswahlen (wohl aber bei Präsidentschafts- und Parlamentswahlen). Diesmal hatte ich kein großes Problem damit, meinen Kandidaten zu finden. Soweit ich mich erinnere, wählt man in Österreich, genauso wie bei den Parlamentswahlen, eine Partei. In Finnland jedoch wählt man direkt den Kandidaten, der einen Platz im Gemeinderat bekommen soll. Nun war eine gute Freundin, die auch Freiwillige bei AFS ist, als Kandidatin aufgestellt, recht klar für mich also, wem ich meine Stimme geben würde.

Am Sonntag um 19.00 Uhr begann die Auszählung der Stimmen auf YLE, dem staatlichen Fernsehsender Finnlands. Ich saß den ganzen Abend aber an meiner Saamischaufgabe, also habe ich den Anfang verpasst. Eingefallen ist es mir, nachdem ich vom Fitnesscenter zurückgekommen war, und um zirka zehn Uhr habe ich dann aufgedreht. Im Internet, wo die Zahlen der Auszählung laufend aktualisiert wurden, konnte ich aber sehen, dass ich ohnehin nicht viel verpasst hatte (um zehn waren erst die Hälfte der Stimmen in Oulu gezählt worden).

Das Endergebnis war nicht sonderlich überraschend, die Perussuomalaiset (ich glaub man nennt sie „Wahre Finnen“ auf Deutsch, was aber in meinen Ohren lächerlich klingt; jedenfalls haben sie die gleiche Stellung wie die FPÖ in Österreich) haben erwartungsgemäß viele Stimmen gewonnen, dafür hatten die großen Parteien, von denen es in Finnland mehr gibt, als in Österreich, deutliche Verluste zu verzeichnen: Es wurde von einem „Bruch des großen Dreicks“, gemeint sind die Sammlungspartei, die Zentrumspartei und die Sozialdemokraten, gesprochen, was ich prinzipiell gut finde (ich halte nichts von Monopolen in der Politik, da kann dann leicht so etwas passieren wie in Österreich vor vier Jahren: Die zwei großen Parteien bilden eine Regierung, bringen aber nichts zustande, es folgen Neuwahlen und wer bildet wieder die Regierung? die beiden selben Parteien natürlich, weil sie die einzigen großen im Land sind…), der Zugewinn an Perussuomalaiset ist dann eine andere Sache. Die Freundin von mir wurde nicht in den Gemeinderat gewählt, dafür hat es aber ein anderer, den ich auch kenne, und den ich genauso gerne im Gemeinderat gesehen hätte, geschafft.

Das einzige wirklich Besorgniserregende ist die sehr niedrige Wahlbeteiligung. Nur knapp über die Hälfte der Wahlberechtigten (57,2% im ganzen Land, 53,7% in Oulu) haben von ihrem Recht Gebrauch gemacht. Ich finde das schade: Auch wenn ich der Demokratie, so wie wir sie kennen, skeptisch gegenüberstehe, sollte man schon alleine deswegen wählen gehen, weil es überhaupt möglich ist. In meinen Augen verliert derjenige, der dieses Recht nicht nützt, das Recht, sich später zu beschweren, wenn ihm politische Entscheidungen nicht passen. Natürlich wurde gestern auch über die Gründe hierzu spekuliert. Zum Beispiel wurde die anstehende Gemeindereform, die sich ziemlich sicher in der einen oder anderen Weise durchsetzen wird, genannt, wodurch kleinere Gemeinden mit größeren vereint werden, was dazu führt, dass sich die Zusammenstellung der jetzt gewählten Gemeinderäte noch mal ändern wird. Oder die Bevölkerung sei einfach schon der Wahlen überdrüssig, da das ja quasi die dritte Wahl in diesem Jahr war (Präsidentschaftswahlen im Frühjahr, von denen es anschließend noch eine Stichwahl zwischen Sauli Niinistö und Pekka Haavisto gab).

Ich habe von diesen Wahlen vergleichsweise viel mitbekommen, weil ich insgesamt drei Kandidaten persönlich kenne (der dritte ist aus dem Süden Finnlands, Järvenpää) und sie natürlich auch viel auf Facebook gepostet haben (besagte Freundin dürfte in den letzten Wochen ihre gesamte Freizeit damit verbracht haben, mit ihrer Partei auf Rotuaari zu stehen und Umarmungen zu verteilen). Also dachte ich, ich teile meine Eindrücke hier!

tiistai 8. toukokuuta 2012

Prokrastination? Prokrastination!

Prokrastination – ein sehr wichtiges Wort für wahrscheinlich jeden Studenten. Für mich jedenfalls. Dieses Wort kommt ursprünglich aus der englischen Sprache, als procrastination [pɹɔʊkɹæstɪˈneɪʃən]. In Englisch bin ich auch zum ersten Mal darauf gestoßen, nämlich in diesem Video:



Seither habe ich bemerkt, wie sich dieses Wort langsam ausbreitet und in andere Sprachen entlehnt. Im Herbst haben wir in einem Französischkurs einen Artikel über procrastination [pʀɔkʀastinaˈsjõ] gelesen, dort wird dieses Wort also schon in der Schriftsprache verwendet. Auch hier in Finnland gibt es dieses Wort, als prokrastinaatio. Zumindest ein paar meiner Freunde verwenden es ständig, zugegeben musste ich das Wort aber auch schon oft genug erklären. Jedoch scheint es seinen Weg in die finnische Schriftsprache gefunden zu haben: In meinem Kurs über schriftliche Kommunikation im Frühling stand bei den Hindernissen, irgendeine Arbeit zu beginnen, auch prokrastinaatio aufgelistet. Deutsch ist also die einzige Sprache, die ich fließend spreche, in der ich Prokrastination noch nie in offiziellem Kontext angetroffen habe. Überhaupt habe ich erst vergangene Woche zum ersten Mal jemanden dieses Wort in der deutschen Sprache verwenden sehen, normalerweise muss ich allen erklären, was das bedeutet. Auch die Word Rechtschreibprüfung unterwellt es mir die ganze Zeit rot. Da es aber für mich so wichtig ist, will ich ihm helfen, sich auch in meiner Muttersprache durchzusetzen.

 Was bedeutet Prokrastination nun eigentlich? Und warum fühle ich mich so persönlich verbunden mit damit? Prokrastination ist die Fähigkeit, tausend Dinge zu finden, die man tun könnte, um seine eigentlich Arbeit noch ein wenig aufschieben zu können. Ist wahrscheinlich jedem bekannt; tja es gibt sogar ein Wort für dieses Phänomen. Als jemand, der Hausaufgaben prinzipiell um elf am Vorabend beginnt, habe ich großen Bedarf an diesem Wort. Einfacher kann man nicht ausdrücken, dass man theoretisch schon etwas zu tun hätte, aber jegliche Ablenkung als willkommene Ausrede sieht, diese Arbeit eben noch nicht beginnen zu müssen.

 Das ist offenbar gar nicht mal eine schlechte Angewohnheit. In dem vorher erwähnten französischen Artikel ging es genau darum, dass Prokrastinierer oftmals sogar bessere Arbeit leisten (und wichtig: in deutlich kürzerer Zeit!), als solche, die schon die ganze Woche daran arbeiten. Zumindest scheint die Zeitersparnis heutzutage sehr essenziell zu sein, und wenn man die ganze Woche lang prokrastiniert (ja, man kann daraus auch ein Verb bilden!), dann bleiben eben nur noch ein paar Stunden am Vortag, um eine gute Arbeit zusammenzustellen. Durch Prokrastination lernt man also, innerhalb einiger Stunden seine Arbeit mit gleichwertiger Qualität zu erledigen, wie manche innerhalb mehrerer Tage.


Ich hoffe also, dass ich in Zukunft weniger Fragezeichen sehe, wenn ich von Prokrastination rede ;D